Ein Text für 3,03 €.

Bild: Ale­xa, pixabay.com

Klar, dass im Infor­ma­ti­ons­zeit­al­ter der Bedarf an Tex­tern stän­dig steigt. 

Dies spie­gelt sich auch in der Flut an Job-Ange­bo­ten wider, die dem Wer­be­tex­ter im Inter­net begeg­nen. Zum Bei­spiel die­ses hier. Ach­tung, O-Ton:

Hal­lo wir sind eine jun­ge auf­stre­ben­de Agen­tur, die Tex­ter sucht, die Lust haben zu schrei­ben.“

Tex­ter, die Lust haben zu schrei­ben?

Das wäre doch viel­leicht etwas für den Wer­be­tex­ter, der gespannt wei­ter liest:

Der­zeit kön­nen wir zwi­schen 0, 7 und 1 Cent net­to pro Wort bezah­len. Manch­mal auch mehr, aber das ist der­zeit eher die Sel­ten­heit. Meist bewegt es sich zwi­schen
0,8 und 1 Cent. Es brau­chen sich kei­ne Tex­ter zu bewer­ben, denen das zu wenig ist. Anfang des Jah­res star­ten wir wie­der mit ver­schie­de­nen Pro­jek­ten…“

So klin­gen Dro­hun­gen.

Das bedeu­tet, ein Text mit tau­send Wor­ten wür­de dem Tex­ter max. 10 € ein­brin­gen und ein Claim durch­schnitt­li­cher Län­ge gar stol­ze 7 Cent!
So irre die­se Job-Offer­te auch ist, wirft sie doch ein erhel­len­des Licht auf die Wer­be-Sub­kul­tur des Inter­net.

Lie­be jun­ge, auf­stre­ben­de „Agen­tur“,

in der ech­ten Wer­bung wer­den Tex­ter nicht pro Wort bezahlt, son­dern nach Zeit­auf­wand bzw. Stun­den­satz. Auch sind eini­ge weni­ge aber tref­fen­de, span­nen­de, und ziel­ge­naue Wor­te viel mehr wert (und oft auch viel mehr Arbeit) als gro­ße Text­men­gen. Des­halb macht eine Bezah­lung pro Wort über­haupt kei­nen Sinn.

Was Ihr sucht, sind eben auch kei­ne Tex­ter, son­dern nur irgend­wel­che Inter­net­sei­ten­voll­schreib-Lemu­ren, die neben­bei „Tier­fil­me“ dre­hen und zwei­mal im Monat Blut spen­den gehen müs­sen.

Das Pro­blem: Der ahnungs­lo­se Unter­neh­mer, der auf Euch rein­fällt, wird unwei­ger­lich am Stamm­tisch geschei­ter­ter Exis­ten­zen enden und über einem Glas Wein aus dem Tetra­pack Sät­ze rau­nen wie: „Ich hat­te sogar mal eine Agen­tur…“

Stimmt natür­lich nicht. Er hat­te nie eine Agen­tur. Son­dern nur eine „Agen­tur“.

(Die­ser Text wür­de nach Eue­rem Ver­gü­tungs­mo­dell 3,03 € kos­ten. Ver­wen­det ihn gern nach Lust und Lau­ne und schämt Euch was!)

 

 

 

 

One thought on “Ein Text für 3,03 €.”

  • Auf­stre­ben­de Agen­tur“ oder doch eher Mas­sen­con­tent­pro­du­zie­rer­hal­tung? Das klingt nach Fließ­band­ar­beit wie in Chap­lins „Moder­nen Zei­ten“ – das Wort als Indi­ka­tor zur Erfül­lung der Quo­te. Ich freue mich schon auf das nächs­te Mal Stel­len­an­zei­gen­le­sen. Dan­ke für die­se düs­te­ren Ein­sich­ten. (Kos­ten für die­sen Kom­men­tar: ca. 0,32 € – net­to immer­hin)

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