Werbetexter in der Krise I
Donnerstag, 1. Januar 2009Wer glaubt, dass sich ausschließlich Fachleute zur Immobilien-, alias Banken-, alias Finanz-, alias Wirtschafts-, alias Weltwirtschaftskrise äußern sollten, übersieht, dass diese im Wesentlichen von Fachleuten verursacht wurde.

Lustigerweise musste selbst die ARD in ihrem Jahresrückblick zugeben, dass die Fachwelt mit Prognosen immer falsch lag – ganz gleich, wie diese gelautet hatten.
In den “Tagesthemen” wurde daraus messerscharf gefolgert, dass niemand die Krise hatte voraussehen können. – Was man auch als selbst erteilte Absolution für das eigene Totalversagen deuten kann.
Schockstarr sah man sich außerstande, sinnvolle Voraussagen für das neue Jahr zu treffen. Vielleicht weil zuviel Realismus das Hirn erweichende Rahmenprogramm gestört hätte? Schon versuchen Werbetexter die Verbraucher mittels subversiver Werbebotschaften zu warnen:

Ein Freund, ein guter Freund.
Ein Mensch, der in den 90ern sehr erfolgreich als Investmentbanker tätig gewesen war, erzählte mir bereits Anfang 2008, dass die Welt auf eine Katastrophe zusteuert, wie sie unsere Generation noch nicht erlebt hat, vergleichbar mit der großen Depression.
Wir erinnern uns: Der DAX stand da noch bei über 8000 Punkten und alle Fachleute von Lehman bis Hampelman prognostizierten für 2008 ein fabelhaftes Wachstum.
Seitdem ist der DAX um knapp 3500 Punkte abgeschmiert, Lehman ist platt und die Bundeskanzlerin hofft, dass sie unser Geld von den Banken zurück erhält.
Da von Fachleuten außer Abwiegeleien und Durchhalteparolen nichts mehr zu erwarten ist, lehnt sich der Werbetexter entspannt zurück und zugleich weit aus dem Fenster, um selbst einige “fachmännische” Prognosen zum Besten zu geben.
1.) Das Rabatt-Schlachtfest
Erstmal wird alles ganz super werden. Während sich der Handel mit selbstmörderischen Rabatten nahezu selbst auslöscht, kommt bei den Verbrauchern fast so etwas wie Euphorie auf. Selten gab’s soviel für so billig: Lebensmittel, iPods, Autos, Kram…

Aktuelle Werbung des REWE-Ablegers in Österreich
2.) Währungs- und Staatskollaps
Leicht zugig wird’s erst in der zweiten Hälfte des Jahres, wenn die Staatsanleihen kollabieren, die zur Zeit unter Fachleuten noch als „sicherer Hafen” gelten. Der Staat hat dann derart viele Banken und systemwichtige Unternehmen „gerettet”, dass er selbst Pleite geht. Dann gilt ganz ordinär: Ohne Moos, nix los.
Wenn Hartz IV-Empfänger kein Geld mehr bekommen, sondern nur noch Lebensmittelmarken und Bezugsscheine, ist das für Sicherheitsfirmen eine tolle Sache. Für den Rest von uns aber eher nicht.
3.) Ende der EU
Die EU geht hopps. Erst recht, wenn Deutschland als Haupt-Nettozahler ausfällt und die Hyperinflation die Papiergeldblase abfackelt. Das hat auch sein Gutes, denn:
4.) Raucher in Gaststätten sind wieder schwer in Ordnung
und CO2-Werte so ziemlich das Letzte, wofür Menschen sich interessieren werden.
Das Erfrischende an Katastrophen ist ihre deregulative Kraft.
Werbetexter? Wozu?
Wenn Unternehmen von der Pleite bedroht sind, sparen sie zuerst an der Werbung. Die Werbebranche prescht schon mal vor und entlässt tausende Mitarbeiter. Sogar Werbetexter. Wer trotzdem unbedingt im Job bleiben will, schreibt entweder Webseiten für private Wachfirmen, chloroformierende Staats-Propaganda oder langweilige Verbraucherinformationen. Die wirklichen Kreativen entfliehen dieser Ödnis und werden erfolgreiche Immobilienhaie / Waffenhändler / Gurus.
Apropos: 2010 wird Tom Cruise mit 999 weiteren Auserwählten in Stauffenberg-Uniformen von einem Ufo abgeholt, um auf einem fernen Planeten mit Ron Hubbard Dame zu spielen.
Sie glauben mir nicht? Dann konsultieren Sie gerne ein paar Fachleute…
Ich wünsche Ihnen ein tolles neues, Jahr!
Das meine ich trotz aller getrübter Aussichten ganz aufrichtig und von Herzen.
Denn mal ehrlich: Der Punkt, dass vielen von uns die Welt, wie sie war, auf den Geist zu gehen drohte, ist bereits mehrfach überschritten. Schon bald wird ganz vieles ganz anders. Und das allein ist doch eigentlich ganz gut.
Der Weg zur Finanzkrise
Gut erklärt von Jörg Janssen in einem 6-Teiler des EF Magazins.
Teil 1: Teilreserve, der legalisierte Betrug
Teil 2: Der Staat als Inflationsbläser
Teil 3: Schuldenmachen im Namen des Volkes
Teil 4: Wie die politische Klasse eine Krise erschafft
Teil 5: Der Zusammenbruch des politisierten Systems
Teil 6: Weiter auf dem Weg zur Knechtschaft
Der Texter als Hellseher
Belege für meine unqualifizierten Prophezeihungen, in unregelmäßigen Abständen willkürlich ergänzt.

DER SPIEGEL vom 26. Januar 09 zum Punkt Staatsbankrott. Sobald sich "offizielle Medien" des Themas annehmen, ist der Zug bereits abgefahren.
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