Der Texter zwischen Medienterror und Echtzeit-Tourismus
Donnerstag, 20. August 2009Lustig: Beim Urlaub auf Mallorca hat der Texter kurz RTL geschaut.
Dem Sender nach wird die Insel ja von Ballermännern, Eta-Bomben und Jürgen Drews terrorisiert regiert.
Ich lausche vorsichtig hinaus auf die Terrasse der Klostersuite, in der mein Schatz und ich residieren: Nur die Percussions der Zikaden und das sanfte Rascheln verliebter Olivenbäume im milden Wind, der vom Meer herüberweht…

Olivenbäume können ewig.
Wieder zurück in Germanien
stoße ich prompt auf einen Artikel im Stern, der ebenfalls kein Klischee auslässt: Bombenstimmung am Ballermann, Menschen mit Atemschutzmasken am Flughafen Palma, Mallorca-Rentner, die sich – Achtung – nicht bedroht fühlen. Und fast möchte man mitleidig sagen: es bleibt ihnen ja auch nix anderes übrig! So sonnenverhutzelt, undynamisch und nachlässig gekleidet wie auf dem Foto des Stern fänden sich die Exilanten in von-Guttenberg-Country eh nicht mehr zurecht. Die Armen.
Spätestens hier sollte man sich dann der eigenen Realitätsverzerrung bewusst werden.
Denn die Alten auf Mallorca sind schlicht beneidenswert.
Viel mehr als die überstressten Kreditsklaven hierzulande, deren Mindestrente später kaum für einen mittelgepflegten Ruhestand in mildem Mittelmeerklima reichen dürfte.
Die jüngste Medienberichterstattung über der Deutschen liebste Insel gleicht jedenfalls dem Junk der Lehman Brothers. Da gilt: einfach nicht abkaufen!
Die mallorquinische Realität sieht anders aus. Zum Beispiel so:

Oder so:

Während sich der deutsche Boulevard
auf das Krisengebiet um Palma, vorzugsweise El Asozial Arenal, stürzt, darf der Rest der Insel ungestört Ruhe, landschaftliche Schönheit und ganz okayes Essen genießen. Sonne, blauer Himmel und Meer inklusive. Wer hier Depressionen bekommt, hatte schon vorher welche und nur keine Zeit dafür.
Exklusiv für Touris: nächtliches Bullenbingo Bußgeldlotto
Auffällig war die erhöhte Polizeipräsenz, die aber weniger der Eta galt. Die Guardia Civil hat das Ausdemverkehrziehen von angetrunkenen Touristen nach dem Zufallsprinzip als neue staatliche Einnahmequelle entdeckt. Da der Tourismus aufgrund reißerischer Medienberichte rückläufig ist, ein schlüssiges Konzept. Der Texter empfiehlt straßenbreite Fangnetze zur Erhöhung der Effizienz.
Neu waren die Pauschaltouristen aus Frankreich,
die sich darüber empörten, dass es keine Speisekarten auf Französisch gab. Wie werden die sich erst nächstes Jahr aufregen, wenn die Inselgastronomen diesem Bedürfnis der grandes Fremdsprachengegner nachgekommen sind? Schon deutschsprachige Menues werfen so manche Frage auf:

Vergewaltigung mit Tumbet? Ein Fall für RTL?
Aber auch dem Texter sind einige schreckliche Bilder nicht erspart geblieben:

Die Schweinegrippe trifft nur ganz wenige Urlauber. Die Angst davor trifft alle.

Eine Schande: die “positive” Diskriminierung, der man sich als Deutscher in den touristischen Hochburgen ausgesetzt sieht.

Sternhagel: zahllose Abstürze von Sternschnuppen und ein Mond, der regelmäßig voll ist. Typisch Ballerinsel!
Zum guten Schluss: das Blaue vom Himmel
Diesmal das echte:

Pssssst… oft hilft es, einfach mal auf den Wind zu hören.
Der Texter wünscht angenehme Entschleunigung!
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